Physiotherapie
Solange die Arthrose ruht und keine Beschwerden verursacht, sind keine speziellen Maßnahmen erforderlich. Treten Schmerzen auf, wird zunächst eine Schmerzbehandlung durchgeführt. Anschließend folgt eine nebenwirkungsarme längerfristige medikamentöse Therapie, die von physiotherapeutischen Maßnahmen unterstützt wird. Je nach Beschwerdebild können Krankengymnastik oder Muskeltraining sowie physikalische Therapie (z.B. Massagen, Wärme- Kältebehandlung, Elektrotherapie in Form von Interferenzstrombehandlung, Transkutaner Elektrischer Nervenstimulation TENS, Kurz- bzw. Mikrowellen- und Ultraschallbehandlung) die Muskulatur verbessern und dadurch die Gelenke stützen.
Im Rahmen der Alternativen Medizin werden auch Akupunktur, Magnetfeldtherapie und Pulsierende Signaltherapie (PST) zur Behandlung der Arthrose eingesetzt.
Eine in Deutschland bisher wenig bekannte Form der manuellen Therapie ist das Maitland®-Konzept. Es wurde von dem Australier Geoffrey D. Maitland während der 50er Jahre entwickelt und wird seither ständig durch klinische Erfahrungen und neueste wissenschaftliche Erkenntnissen ergänzt. Dabei arbeiten Therapeut und Patient gleichberechtigt zusammen: gemeinsam werden die einzelnen Beschwerden besprochen und Patient und Therapeut entwickeln die optimalen Therapieansätze, deren Wirksamkeit in jeder Stufe der Behandlung überprüft wird.
Medikamente
Medikamente sind zwar nicht in der Lage die Ursachen der Arthrose zu beseitigen, sind aber geeignet, akute Schübe zu verkürzen, und Schmerzen zu nehmen. Die wichtigsten Pfeiler der medikamentösen Therapie von Arthrose sind schmerzlindernde und entzündungshemmende Arzneimittel, wie die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Deren Anwendung ist jedoch nicht ganz unbedenklich. Sie bergen Risiken und Nebenwirkungen, die sich in Form von Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Magenblutungen äußern können.
Hierzu zählen Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Prixocam etc. Auch wenn diese rezeptfrei erhältlich sind, sollten sie nie längere Zeit auf eigene Faust und ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.
Eine neuere Wirkstoffklasse sind die sog. COX-2-Hemmer, die als magenverträglich gelten und nur ein- bis zweimal täglich eingenommen werden müssen. Diese bergen jedoch nicht zu vernachlässigende Gefahren für das Herz-Kreislauf-System: in Langzeitstudien traten in Verbindung mit der Einnahme von COX-2-Hemmern gehäuft Herzinfarkte und Schlaganfälle auf. In besonders schweren Fällen kann es auch nötig sein, das stark entzündungshemmend wirkende Kortison direkt in das betroffene Gelenk zu spritzen (intraartikuläre Injektion).
Eine tragende Säule der Arthrosetherapie ist die Selbstmedikation, also die eigenverantwortliche Anwendung rezeptfreier Medikamente sowie verschiedener Nahrungsergänzungen. Seit einigen Jahren werden interessante Ansätze der diätetischen Therapie untersucht und zahlreiche Studien publiziert, die den Einfluss der Ernährung bei Arthrose erforschen. Die so genannten Chondroprotektiva (Knorpelschutzstoffe), d.h. Nährstoffkombinationen aus Glucosamin und Chondroitin sollen den Gelenkstoffwechsel unterstützen. Als besonders wirksam bei Arthrose erwies sich in den Studien hochdosiertes Vitamin E entweder in Form von besonders Vitamin E- reichen pflanzlichen Ölen, z.B. Arganöl, oder als hochdosiertes Arzneimittel mit 500 – 1000 I.E. Vitamin E aus der Apotheke.
Der letzte Ausweg: Der operative Eingriff
Besonders im Bereich des Hüft- und Kniegelenkes kommen verschiedene operative Eingriffe zum Einsatz. Gelenkerhaltende Verfahren sollen die Funktion des betroffenen Gelenkes verbessern oder erhalten. Hierzu gehören Umstellungsoperationen (bei X- oder O-Beinen, Hüftdysplasie etc.). Bei frischen Knorpelverletzungen sind mithilfe der Arthroskopie Knorpelschäden behandelbar (Lavage, Abrasionsarthroplastik, Chondroplastik). Allerdings setzen diese gelenkerhaltenden Verfahren voraus, dass Knorpel- und Knochenoberfläche noch nicht vollständig zerstört sind.
Ist das Gelenk so schwer beeinträchtigt und schmerzhaft, dass keine konservativen Methoden in Frage kommen, ist der Ersatz des Gelenkes durch eine Endoprothese sinnvoll. Hierbei wird das verschlissene durch ein künstliches Gelenk aus hochwertigem Metall und Kunststoff ersetzt. Ein künstliches Gelenk kann zwanzig Jahre oder länger funktionsfähig bleiben. Inzwischen macht die Biotechnologie große Fortschritte, vor allem im Bereich der künstlichen Gewebeanzucht (tissue engineering). Dabei kann aus patienteneigenen Zellen neues Knorpelgewebe gezüchtet und implantiert werden, bevor der Knochen angegriffen und geschädigt wird.
Beim Gelenkersatz werden die zerstörten Gelenkanteile entfernt und durch künstliche Gelenkteile beziehungsweise ganze Gelenke (Endoprothesen) ersetzt. Die Erfolgschancen der Operation variieren aber in Abhängigkeit des versorgten Gelenkes. Obwohl sie aus hochwertigsten Materialien wie Titan gefertigt sind, halten auch künstliche Gelenke nicht ewig. Aus diesem Grund versucht man vor allem bei jungen Arthrosepatienten, den operativen Gelenkersatz so lange wie möglich hinaus zu zögern.
Nun konnten finnische Forscher in einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung Erstaunliches zeigen: Die Haltbarkeit der Endoprothesen steigt, wenn die Behandelten bereits älter waren.
Damit bestätigen die Wissenschaftler, was die meisten Mediziner ihren Patienten raten - den operativen Eingriff so lang wie möglich hinaus zu zögern. Oberstes Gebot also, den Krankheitsverlauf von Arthrose mit einer Reihe von therapeutischen Maßnahmen zu verlangsamen. Dazu zählt Abnehmen, regelmäßige belastungsarme Bewegung und das Hemmen der Entzündungsprozesse im Gelenk, um den weiteren Knorpelverfall zu bekämpfen.
